„Das internationale Miteinander bei der Tafel-Arbeit ist für alle ein Gewinn.“

„Das internationale Miteinander bei der Tafel-Arbeit ist für alle ein Gewinn.“

© Klaus Hoffmann / Barsbütteler Tafel e.V.

„Ohne die Hilfe der Geflüchteten, der Migrantinnen und Migranten wären wir in der Pandemie aufgeschmissen gewesen“, stellt Angelika Neumann, Schriftführerin der Barsbütteler Tafel, fest. „Da sie alle wesentlich jünger sind als die meisten unserer deutschen ehrenamtlichen Tafel-Helferinnen und -Helfer standen sie weiter zur Verfügung, als viele Helfende aus Sicherheitsgründen ihren Einsatz unterbrachen oder ganz aufhörten.“

Die interkulturelle Zusammenarbeit hat bei der Barsbütteler Tafel mittlerweile Tradition: Seit 2015 engagieren sich hier geflüchtete Menschen. Sie helfen der Tafel beim Einsammeln und verteilen der Lebensmittel. Im Gegenzug finden sie Anschluss, eine Aufgabe und die Möglichkeit, ihr Deutsch zu üben.

Zunächst schickte das Sozialamt hauptsächlich junge Männer, die in der Gemeinde untergebracht waren, zur Tafel. Ihre Patinnen bzw. Paten und/oder Übersetzerinnen bzw. Übersetzer begleiteten sie zunächst. Die neuen Ehrenamtlichen halfen beim Aufbau der Ausgabestände und Entladen der Ware – Seite an Seite mit den alteingesessenen Tafel-Aktiven. Dadurch entstanden schnell Kontakte untereinander. Am Anfang konnten sich die Helfenden nur mit Gesten und Mimik verständigen, aber bald waren einfache Gespräche auf Deutsch möglich. „Für die große Palette an Gemüse- und Obstsorten kannten viele schnell die deutschen Begriffe. So gut wie alle waren von Anfang an freundlich, hilfsbereit und wissbegierig“, erklärt Angelika Neumann. Auch die deutschsprachigen Tafel-Aktiven versuchten, ein paar Worte auf Arabisch oder Kurdisch zu lernen. Angelika Neumann ergänzt: „Eine erstaunliche Erkenntnis für uns war, dass viele der Geflüchteten mehrere Sprachen verstehen oder gar sprechen, nur eben aus ihrem Sprachraum und nicht unserem.“

Die geflüchteten Helferinnen und Helfer engagierten sich nicht nur ehrenamtlich bei der Tafel, sondern erhielten als Kundinnen und Kunden anfangs auch Lebensmittel. Dank Sprach- und Integrationskursen konnten die meisten eine Ausbildung, einen Studienplatz oder einen Job finden, sodass sie nicht mehr auf die Unterstützung der Tafel angewiesen sind. Einige von ihnen helfen weiter, beispielsweise in ihrem Urlaub oder wenn sie vorrübergehend keine Arbeit haben. Neue Tafel-Aktive unterstützen das Team zum Teil über mehrere Wochen oder Monate hinweg; einige sind schon seit mehreren Jahren dabei. Aktuell engagieren sich Menschen aus Deutschland, Afghanistan, Irak, Iran, Syrien, Russland und Kasachstan gemeinsam bei der Barsbütteler Tafel, darunter Männer und Frauen.

„Wir können durch die Einbindung der Migrantinnen und Migranten in unsere Arbeit zur Integration beitragen, wir entwickeln mehr Verständnis für andere Verhaltensweisen und den Umgang untereinander. Die jungen Leute sind zudem ein Gewinn für die Tafel-Arbeit selbst. Sie sind in der Regel körperlich fit und können Kisten schleppen und andere körperlich eher anstrengende Arbeiten erledigen, die den meist älteren ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oft zusehends schwerer fallen.

Angelika Neumann, Schriftführerin Barsbütteler Tafel e.V.

Deutsche und Migrantinnen und Migranten arbeiten Seite an Seite

Die Barsbütteler Tafel hat keine eigenen Räumlichkeiten, sondern führt ihre Ausgabe einmal pro Woche in einem Jugendclub der Gemeinde durch. Das stellt sie vor eine besondere Herausforderung, wie Angelika Neumann erklärt: „Wir müssen jedes Mal alles auf- und abbauen und bis 14 Uhr wieder weg sein.“ Ein enger Zeitplan, den die Tafel nur einhalten kann, weil alle gemeinsam anpacken. Seit Beginn der Pandemie hat die Tafel ihre Ausgabe nach draußen verlagert. Dort sortiert sie die waren und packt Tüten für die Kundinnen und Kunden.

Migrantinnen und Migranten helfen gemeinsam mit deutschen bedürftigen und nicht bedürftigen Helferinnen und Helfern. Sie bauen die Tische für die einzelnen Stände auf, legen die Einbahnstraßen für die Kundinnen und Kunden an, entladen die Fahrzeuge, sortieren die Ware, packen und verteilen die Tüten. Einige Geflüchtete betreuen selbstständig einen Ausgabestand. Sind alle Tüten verteilt, reinigt das Team die Griffe der ausgeliehenen Einkaufswagen und bringt sie zum Supermarkt zurück, wäscht die Warenkisten und baut die Stände wieder ab. Nach einem Tafel-Tag haben sich alle den Feierabend verdient.

„Auch wenn uns die Situation aufgrund der Pandemie die letzten zwei Jahre sehr herausgefordert hat, ist das internationale Miteinander bei der Tafel-Arbeit für alle ein Gewinn“, sagt Angelika Neumann.

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