Robin Food: Kinder der Tafel Wanzleben kochen mit Horst Lichter

Robin Food: Kinder der Tafel Wanzleben kochen mit Horst Lichter

Zum Auftakt des Projekts „Robin Food“ hat Entertainer Horst Lichter die Tafel Wanzleben besucht, zusammen mit Kindern gekocht und ihnen praktische Küchentricks verraten.

„Wer möchte mir helfen, die Kartoffeln zu stampfen?“ Horst Lichter steht hinter einem großen Kochtopf voll dampfender Kartoffeln. Der Entertainer blickt verschmitzt auf die Kinder, die in farbenfrohen Schürzen und Kochmützen vor ihm sitzen. Die zehnjährige Amy meldet sich aufgeregt. Kurz zeigt ihr Horst Lichter, wie er den Stampfer mit beiden Händen bis auf den Boden des Topfes drückt, schon greift sie selbst danach und zerquetscht die Kartoffeln voller Elan.

Elf Kinder trafen sich am 20. Oktober 2021 in dem ehemaligen Bahnhofsgebäude, in dem die Tafel Wanzleben zuhause ist, um gemeinsam mit dem Team der Tafel zu kochen. Die 6- bis 14-Jährigen nehmen am Tafel-Projekt „Robin Food“ teil, das ihnen zeigen möchte, wie sie gesunde und leckere Gerichte ganz einfach selbst zubereiten können. Auch die Eltern sind eingeladen mitzumachen.

Möglich wird „Robin Food“ durch die Unterstützung der Deutschen Vermögensberatung (DVAG), die mit dem gemeinnützigen Verein Menschen brauchen Menschen e. V. den Projektbereich “Tafel-Bildungschancen: Kinder und Jugendliche stärken“ der Tafel Deutschland fördert.

Zum Auftakt kam ein besonderer Gast vorbei: Horst Lichter, Kult-Moderator der TV-Show „Bares für Rares“, gelernter Koch und Botschafter der DVAG. Bei „Robin Food“ wirke er sehr gerne mit, erzählt Horst Lichter: „Kochen mit Kindern ist etwas sehr Schönes! Und es ist sehr schade, dass heutzutage alle glauben, Kochen mit frischen Lebensmitteln wäre immens teuer. Wir haben früher zuhause nur mit frischen Lebensmitteln gekocht, weil wir kein Geld hatten. Die schmecken auch leckerer als Fertigpackungen, wenn man mal ganz ehrlich ist.“ Die Tafeln unterstützt Horst Lichter schon lange: „Auch ich stamme aus Verhältnissen, die nicht mit Reichtum gesegnet waren. Als es uns besser ging, hat meine Mutter im hohen Alter die Tafel in unserem Heimatort Rommerskirchen mitbegründet. Deswegen bin ich den Tafeln recht eng verbunden.“

Koch-Tipps vom Profi

Nach dem Kochen befüllen Horst Lichter und die Tafel-Mitarbeiterinnen die Teller der Kinder. Foto: Tafel Deutschland e.V.

Amy zerdrückt unter dem aufmerksamen Blick von Horst Lichter weiter die Kartoffeln. Butterflöckchen und Milch kommen dazu und der Stampfer gleitet durch die warme Masse. Eine großzügige Portion Salz rein, mal kosten, dann geriebene Muskatnuss – aber nicht zu viel, denn Muskatnuss in großen Mengen ist giftig, verrät Horst Lichter den überraschten Kindern. Fein dosiert verleiht sie dem Essen jedoch ein erdiges Aroma.

Kein Wunder also, dass das selbstgemachte Kartoffelpüree der absolute Renner bei den Kindern ist: Sie lernen, dass sie es mit wenigen Zutaten selbst zubereiten können und das Püree dann viel besser schmeckt als das angerührte Fertigpulver aus der Tüte.

Horst Lichter vermittelt den Kleinen geschickt, wie viel Spaß Kochen machen kann und streut immer wieder praktische Tipps ein. „Wisst ihr, warum man Kartoffelpüree nie mit dem Mixer macht? In der Kartoffel löst sich die Stärke, dann wird das ein Kleister und ihr könnt damit Wände verputzen.“ Die Kinder lachen und stellen sich gleich noch mal an, um das gründlich gestampfte und natürlich nicht im Mixer zubereitete Püree zu probieren. Später wird sich der kleine Ben nach dem Essen eine zweite Portion Kartoffelpüree holen. Möchte er auch nochmal Soße oder Möhrengemüse dazu? „Nö, das schmeckt so am besten!“

Gesund kochen mit Lebensmitteln aus der Tafel

„Unser Ziel bei ‚Robin Food‘ ist es, mit Lebensmitteln aus der Tafel etwas Gesundes zu zaubern“, erklärt Barbara Schürmann, Einrichtungsleiterin und Projektverantwortliche beim Deutschen Roten Kreuz Wanzleben, dem Träger der Tafel. „Damit möchten wir auch die Eltern-Kind-Beziehung stärken. Was mir ebenfalls wichtig ist: Die Kinder sollen für unsere Wegwerfgesellschaft sensibilisiert werden.“ Neben Kindern und Jugendlichen, die mit ihren Familien zur Tafel kommen, können auch andere Interessierte teilnehmen: „So entsteht ein Kontakt untereinander. Das hilft allen Kindern.“

Eine Helferin der Tafel Wanzleben zeigt Horst Lichter, wie viele Lebensmittel ein Haushalt mit ein bis drei Personen pro Woche erhält. Foto: Tafel Deutschland e.V.

„Robin Food“ ist eines von elf Projekten, die es sich zur Aufgabe machen, Chancenungleichheiten von armutsbetroffenen Kindern und Jugendlichen zu reduzieren und Teilhabe zu fördern. „Mir ist es wichtig, dass wir in unserer Tafel soziokulturelle Angebote für Kinder haben, da die Familien das häufig nicht aus eigenen Mitteln bezahlen können“, sagt Barbara Schürmann.

Kinder aus Wanzleben und Umgebung werden nun ein Jahr lang jeden Mittwoch zur Tafel kommen und verschiedenste Gerichte gemeinsam zubereiten. Was auf dem Speiseplan steht, können die jungen Köchinnen und Köche mitbestimmen. Ganz oben auf der Wunschliste: Königsberger Klopse.

Horst Lichter und die Kinder der Tafel: ein Spitzenteam

Zum Auftakt gab es als Vorspeise ein fruchtiges Apfelkompott, anschließend bereiteten die Kinder unter der Anleitung von Horst Lichter und den Tafel-Köchinnen Birgit Kaczinski und Carola Erxlebe das besagte Kartoffelpüree sowie Möhrengemüse und Jägerschnitzel – panierte Geflügelwurst nach regionaler Art – zu. Der erste Kochnachmittag war ein voller Erfolg, wie Barbara Schürmann begeistert erklärt: „Es hat mir sehr gut gefallen und die Kinder haben die vielen Tipps von Horst Lichter sehr gut angenommen.“

Horst Lichter verriet nicht nur Tricks, die Kartoffelpüree besonders schmackhaft machen. Er zeigte den Kleinen beispielsweise auch, wie sie einen Apfel vierteln und zum Schälen am besten auf den Teller legen, um sich nicht in den Finger zu schneiden. Die Kinder setzen die Tipps des erfahrenen Kochs sofort um: Ben, Zunge konzentriert im Mundwinkel, hält sein Stück Apfel fest zwischen Daumen und Zeigefinger. Das Obstmesser setzt er oben an und schneidet die Schale sauber und sicher in Richtung Teller ab. Anschließend würfelt Ben die Äpfel für das Kompott. „Ich bin begeistert, wie schnell ihr alle gelernt habt“, lobt Horst Lichter die Nachwuchsköchinnen und -köche. „Ich hab‘ ein Spitzenteam!“

Was wünscht sich Horst Lichter, dass die Kinder von diesem Tag mitnehmen? „Ich hoffe, dass sie weiterhin Lust haben zu kochen und dass sie nach Hause gehen und sagen: ‚Das war lecker und der alte Mann war ein cooler Typ.‘“

Ein Blick auf die Kinder, die Horst Lichter zum Abschied glücklich strahlend hinterherwinken, und es wird deutlich, dass der Wunsch in Erfüllung gegangen ist.

Hinweis: Die Veranstaltung fand im Oktober 2021 unter 3G-Bedingungen statt. Alle Anwesenden waren geimpft, genesen und/oder getestet.