Fotos: Markus Karas
Nur etwa jede:r 12. Tafel-Aktive ist jünger als 36 Jahre. Um junges Engagement in der Tafel-Bewegung zu fördern, organisiert die Tafel Jugend verschiedene Angebote und Veranstaltungen – zuletzt das erste CAMP in Berlin. Dort hat Bananenschneiden, Floßbauen und Content-Produzieren junge Tafel-Aktive zusammengeschweißt und für ihr Engagement gestärkt.
Team Möhre reißt begeistert die Hände in die Luft und klatscht sich lachend ab. Vermutlich hat sich niemand je so sehr darüber gefreut, eine Banane in zwei genau gleich schwere Stücke zerteilt zu haben wie die jungen Tafel-Aktiven hier auf einer Wiese am Wannsee. Mit ihren Schneidekünsten und der Zusammenarbeit im Team haben sie die Bananen-Challenge gewonnen – eines von vielen spielerischen Teambuilding-Angeboten beim ersten CAMP der Tafel Jugend.
Dort trafen sich 51 Menschen, die sich deutschlandweit in den Tafeln engagieren und maximal 35 Jahre alt sind. Sie nutzten das lange Wochenende im April, um sich auszutauschen, einzubringen und als Gemeinschaft zusammenzuwachsen.

Die Menschen hier sind super lieb, man hat kein Problem, mit Leuten in Kontakt zu kommen.
– Leo, Tafel Langen

WANTED: Junge Engagierte für die Tafel-Bewegung
Von den 72.000 Ehrenamtlichen, die sich bundesweit bei den Tafeln engagieren, sind nur 8 Prozent jünger als 36 Jahre. Eine strukturell gewachsene Tatsache, schließlich engagieren sich die meisten Menschen erst ab der Rente bei den Tafeln. Die Einsätze finden daher in der Regel an Wochentagen statt, oft vormittags. Wer arbeitet, studiert oder eine Ausbildung absolviert, hat selten Zeit.
Gleichzeitig haben viele Tafeln Nachwuchssorgen: 32 Prozent der Tafeln sagen, dass ihnen aktuell Ehrenamtliche fehlen.
Junge Menschen, die von der Tafel-Idee begeistert sind, finden trotz der strukturellen Hürden immer häufiger einen Weg, um sich einzubringen: Einige von ihnen nehmen sich bewusst die Zeit, um auch wochentags in den Tafel-Ausgaben mitzuhelfen. Andere haben alternative Ausgabeformate inspiriert oder organisiert, beispielsweise abends oder am Wochenende.
Um diesen großen Einsatz zu fördern und bekannter zu machen, organisiert die Tafel Jugend verschiedene Angebote und Veranstaltungen für junge Tafel-Aktive. So auch das CAMP, das für Community, Austausch, Mitgestaltung, Perspektiven steht.



Hier konnten die Tafel-Aktiven unbeschwert Zeit miteinander verbringen, sich und ihre unterschiedlichen Erfahrungen kennenlernen sowie Selbstwirksamkeit in einer Gruppe Gleichgesinnter erfahren. In vielen Tafeln gibt es nur sehr wenige junge Engagierte, teilweise nur eine Person. Der überregionale Austausch zeigt ihnen, dass sie nicht allein in ihrem Einsatz sind. Die persönlichen Beziehungen, die sie bei solchen Angeboten aufbauen und vertiefen, motivieren oft ein längerfristiges Engagement und fördern die Vielfalt der Tafel-Bewegung.


Ich finde es wichtig, dass Tafel-Arbeit und Ehrenamt Spaß machen und dass wir zusammen sehen, was wir erreichen können, wenn wir alle gemeinsam anpacken. Es ist super wichtig, dass alle ihre Perspektive einbringen können.
– Rebekka, Jugendbeisitzerin Tafel Deutschland
„Bist du auch Banane?“
Einige kamen mit Engagierten aus ihrer eigenen Tafel zum CAMP, andere allein. Manche hatten bereits mehrfach an einer Tafel Jugend-Veranstaltung teilgenommen, andere waren zum ersten Mal dabei. Um Engagierte mit verschiedenen Erfahrungen zusammenzubringen, griffen sie beim Ankommen in eine blickdichte Papiertüte. Darin lagen kleine Anhänger in Form verschiedener Obst- oder Gemüsesorten, von denen jede:r Tafel-Aktive einen zog.
Team Pak Choi, Team Banane oder Team Aubergine? So wurden die Teilnehmer:innen per Zufallsprinzip einem von sieben Teams zugeordnet. „Bist du auch Banane?“, rief ein Teilnehmer seinem Tafel-Kollegen begeistert zu. „Nee, ich bin Weintraube!“ Alle hatten die gleiche Chance auf einen Teamplatz und darauf, neue Tafel-Aktive kennenzulernen.


Wie gut das funktionierte, zeigte sich an den drei Tagen CAMP. Die Teilnehmer:innen traten in ihren Teams an, etwa bei spielerischen Challenges wie einem Staffelstabrennen mit Essstäbchen, beim Musikraten oder eben beim Zerteilen einer Banane in zwei möglichst gleichschwere Stücke. Die Aufgaben erforderten Zusammenarbeit und gemeinschaftliches Problemlösen. Genau die Fähigkeiten, die nicht nur den Tafel-Alltag erleichtern, sondern auch die Tafel Jugend in ihrem Engagement überregional zusammenschweißen.

Ich habe mich super auf das Tafel Jugend-CAMP gefreut, um in den Austausch mit anderen Ortsgruppen zu gehen und gemeinsam soziale Projekte zu planen.
– Kira, Tafel Jugend Potsdam
CAMP der Tafel Jugend: Ideen entwickeln, Tafel-Bewegung mitgestalten
Mit Elan starteten die Teilnehmer:innen in den zweiten Tag: Bei verschiedenen Workshops konnten sie sich einbringen, zusammen Ideen ausarbeiten und Teamgeist zeigen.




Hier sammelten sie Wissen und Erfahrungen, die über das CAMP hinaus helfen. Im Workshop zu Potentialen und Visionen der Tafel Jugend trugen die Teilnehmer:innen ihre Ideen und Erfahrungen zusammen und lernten, wie sie daraus realistische Projekte für ihre Tafel Jugend-Ortsgruppe entwickeln können.
In einer praxisnahen Werkstatt erarbeitete eine andere Gruppe Vorschläge, wie Tafel-Aktive zum Ehrentag am 23. Mai 2026 auf ihr Engagement aufmerksam machen und um neue Ehrenamtliche werben können. Die entstandenen Ideen und Vorlagen werden sie auch den anderen Tafel Jugend-Ortsgruppen zur Verfügung stellen.
Ihre Tafel digital zu repräsentieren, übten die Teilnehmer:innen im Social Media-Workshop. Sie konzipierten und produzierten eigene Reels mit Engagierten und arbeiteten dabei verschiedene Themen ihres Engagements auf.
Teamgeist war im vierten Workshop gefragt: Aus Naturmaterialien bauten die Teilnehmer:innen kleine Flöße, die sie im Wannsee schwimmen ließen.



Ich fand das Floßbauen sehr schön, weil es viel Spaß gemacht hat, im Team zu arbeiten.
– Leoni, Tafel Bonn
Junge Engagierte packen nicht nur in ihren Tafeln mit an und verteilen dort gerettete Lebensmittel an armutsbetroffene Menschen. Viele von ihnen übernehmen darüber hinaus auch Ämter im Dachverband oder in ihren Landesverbänden, organisieren Projekte oder kümmern sich um die Öffentlichkeitsarbeit ihrer Tafel. Damit leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Tafel-Arbeit, den das CAMP gewürdigt und gefördert hat. Die Workshops gaben ihnen dafür Wissen, Ideen und Materialien an die Hand.
Erste Generation Tafel trifft auf die jüngste Generation
Zur Eröffnung kam Sabine Werth, um den jungen Engagierten ihre Unterstützung und Begeisterung auszusprechen. Mit 36 Jahren, knapp über dem heutigen Tafel Jugend-Alter, gründete sie 1993 die erste Tafel in Deutschland, die Berliner Tafel. Bis heute engagiert sie sich als deren Vorsitzende und ist zudem Sprecherin des Frauennetzwerks der Tafel Deutschland. „Ihr seid für mich die Zukunft der Tafeln“, so Sabine Werth. „Ich bin unendlich glücklich, dass ihr dabei seid und hoffe, dass ihr dabeibleibt.“

Mein Highlight beim CAMP der Tafel Jugend war der Austausch, das große Miteinander und dass man hier mit jungen Leuten von anderen Tafeln sehr viel Spaß haben kann.
– Niklas, Tafel Nordhorn
Du hast Lust, dich bei den Tafeln zu engagieren?
Melde dich jetzt bei der Tafel in deiner Nähe und schau nach, ob es dort bereits eine Tafel Jugend-Ortsgruppe gibt!

