Jung, sozial und ökologisch aktiv

Jung, sozial und ökologisch aktiv

© Monique Wüstenhagen

Junge Tafel-Helferinnen und -Helfer schenken armutsbetroffenen Menschen ihre Zeit und setzen sich dafür ein, Lebensmittel vor der Tonne zu retten. Drei junge Freiwillige berichten von ihren Erfahrungen.


Junges Engagement

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Lea Peters, 18, ist als Bundesfreiwilligendienstleistende bei der Herforder Tafel aktiv

„Über das Internet bin ich auf die Tafel-Arbeit aufmerksam geworden. Ich habe gemerkt, dass das Abitur nicht das Richtige für mich ist und wollte etwas Praktisches machen. Also habe ich nach einer sinnvollen Arbeit gesucht und absolviere jetzt einen Freiwilligendienst bei der Tafel. Ich helfe 30 Stunden pro Woche. In der Tafel unterstütze ich beim Sortieren der Lebensmittel und bei der Ausgabe. Manchmal fahre ich auch mit, um Ware abzuholen oder sie zu anderen Ausgabestellen zu bringen. Lebensmittel zu retten und Menschen zu helfen, bedeutet für mich, etwas Wichtiges für die Gesellschaft zu tun. Es ist heftig zu sehen, wie viele Lebensmittel weggeschmissen werden. Die Arbeit gibt mir einen Einblick in das Leben anders situierter Menschen. In der Tafel habe ich viel über die Haltbarkeit von Lebensmitteln gelernt. Ich schmeiße nicht mehr so viel weg. Wenn Lebensmittel eine Druckstelle haben oder über dem MHD sind, heißt es nicht, dass sie direkt schlecht sind. Ich habe auch gelernt, mit armen Menschen in Kontakt zu treten. Das war etwas ganz Neues für mich. Um die Tafel-Arbeit für junge Menschen attraktiv zu machen, sollten Tafeln mehr auf sich aufmerksam machen. Dass man sich bei der Tafel engagieren kann, ist noch nicht bei allen präsent. Die einfachste Möglichkeit, um Jugendliche anzusprechen, ist die Nutzung von Social Media“.


Junges Engagament

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Felix Kuschel, 25, studiert Internationales Logistikmanagement an der Jade Hochschule in Elsfleth und engagiert sich im Rahmen eines Praktikums bei der Bremer Tafel.

„Durch Zufall bin ich auf die Tafel-Arbeit aufmerksam geworden. Ich habe nach sozialen Einrichtungen gesucht, bei denen ich meine Abschlussarbeit schreiben kann. Mir war es wichtig, meine Arbeit mit etwas Sinnvollem zu verbinden. Im Internet bin ich auf die Bremer Tafel gestoßen. Als ich dort anrief, traf meine Idee sofort auf offene Ohren. Ich helfe im Rahmen eines Praktikums etwa 20 Stunden pro Woche. In der Tafel unterstütze ich bei der Lebensmittelsortierung und -ausgabe und bin als Fahrer zuständig für das Einsammeln gespendeter Lebensmittel. Lebensmittel zu retten und Menschen zu helfen, ist für mich eine Selbstverständlichkeit. In der Tafel habe ich gelernt, dass es unterschiedliche Gründe hat, warum Menschen zur Tafel kommen. Es ist wichtig, offen auf Menschen zuzugehen.Um die Tafel-Arbeit für junge Menschen attraktiv zu machen, sollten Vorträge an Schulen oder Unis gehalten werden. Wichtig ist auch Öffentlichkeitsarbeit in den sozialen Medien, zum Beispiel über einen Instagram-Account. Viele haben ein falsches Bild von der Tafel. Wir sollten deutlich machen, wie vielfältig die Tafeln und auch die Tätigkeiten dort sind“.


Junges Engagement

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Andreas Cheler, 20, studiert Rechtswissenschaften an der Universität Bayreuth und engagiert sich nebenbei bei der Tafel Bayreuth.

„Vor zwei Jahren wollte ich etwas Sinnvolles in den Sommerferien machen. Auf dem Heimweg bin ich immer an der Tafel vorbeigefahren und dadurch auf die Tafel-Arbeit aufmerksam geworden. Dann habe ich dort angerufen und gefragt, ob ich unterstützen kann. Ich helfe zweimal jeweils sechs Stunden pro Woche. In der Tafel unterstütze ich als Zuträger. Ich versorge die Mitarbeiter, indem ich Ware in den Laden bringe und schaue, dass jeder genug Lebensmittel für die Ausgabe hat. Als Beisitzer im Vorstand der Tafel Bayreuth bin ich Kontaktmann für die Jugend. Ich versuche, junge Leute für die Tafel zu begeistern und habe zum Beispiel einen Instagram-Account erstellt. Lebensmittel zu retten und Menschen zu helfen, ist für mich eine sehr wichtige Aufgabe. Es bedeutet mir viel, anderen Menschen zu helfen. Gleichzeitig kann es nicht sein, dass Lebensmittel einfach im Müll landen, obwohl sie noch genießbar sind. In der Tafel habe ich gelernt, dass man für andere Menschen sorgen kann, indem man einfach für sie da ist. Es muss nicht immer eine große Spende sein, eine kleine Geste reicht oft schon aus, um Großes zu bewirken. Um die Tafel-Arbeit für junge Menschen attraktiv zu machen, sollten Tafeln transparenter werden. Mir war vorher nicht klar, was die Tafel genau macht. Tafeln sollten Interessierten die Chance geben, einen Einblick in ihre Arbeit zu bekommen – zum Beispiel mit einem Tag der offenen Tür“.


Im Rahmen eines Ehrenamts, eines Bundesfreiwilligendienstes oder eines Praktikums engagieren sich junge Menschen bei ihrer Tafel vor Ort oder setzen sich überregional für die Tafel ein. Die Tafel Jugend macht dieses junge Engagement der unter 30-Jährigen sichtbar und weckt das Interesse für die Tafel-Arbeit bei anderen Menschen. Im Rahmen der Tafel Jugend vernetzen sich die Aktiven und tauschen sich über ihre Erfahrungen und Projekte aus.

Der Beitrag erschien im Tafel-Magazin 2019.