Tafeln gehen neue Wege

Tafeln gehen neue Wege

© Navina Neuschl

Die Tafel-Arbeit hat sich während der Corona-Pandemie nachhaltig verändert: Helferinnen und Helfer haben neue Konzepte für die Lebensmittelausgabe entwickelt, Abläufe sind digitaler geworden. Im Gegensatz zum Vorjahr blieben 2021 fast alle Tafeln geöffnet, auch wenn viele Herausforderungen die Arbeit erschwerten. Ausgabemodelle, die 2020 erprobt wurden, haben sich eingespielt und wurden fortgeführt. Die Tafeln setzten weiterhin Schutzmaßnahmen um, die das Ansteckungsrisiko mit dem Corona-Virus reduzierten. Sie bauten Lieferdienste für Risikogruppen aus, packten Lebensmitteltüten vor oder verlagerten die Lebensmittelausgabe ins Freie. Gemäß den Hygienevorschriften kauften Tafeln Desinfektionsmittel, Masken und Schutzwände. Mit Luftfiltern konnte auch in den Räumlichkeiten das Ansteckungsrisiko reduziert werden.

Durch die Schutzmaßnahmen war die Tafel-Arbeit 2021 teurer und deutlich aufwendiger als üblich. Mehr Arbeit traf auf weniger Helferinnen und Helfer. Vor allem ältere Tafel-Aktive beendeten oder pausierten ihr Engagement, um die eigene Gesundheit zu schützen. Etwa 40 Prozent der Tafeln verzeichneten einen Rückgang der Tafel-Aktiven. Zusatzangebote, etwa Nachhilfe- oder Kochkurse, konnten wegen der Einschränkungen auch 2021 nicht in gewohntem Umfang stattfinden. Gemeinsam mit anderen Initiativen führten etwa ein Drittel der Tafeln in der zweiten Jahreshälfte zusätzlich Impfaktionen oder Aufklärungsmaßnahmen für ihre Kundinnen und Kunden und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch.

  • Für 72 Prozent der Tafeln ist die Arbeit während der Pandemie 2021 aufwendiger geworden.
  • Etwa 50 Prozent der Tafeln führten 2021 im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie Aufklärungsinitiativen für Kundinnen und Kunden sowie Tafel-Aktive durch.
  • An 28 Prozent der Tafeln wurden 2021 Impfaktionen für Kundinnen und Kunden sowie Tafel-Aktive durchgeführt.

Unterstützungsprogramme für die Tafeln

Die Pandemie hat viele Entwicklungen vor Ort wie auch beim Dachverband beschleunigt, vor allem den Weg zu mehr Digitalität. Die Mitgliederversammlung der Tafel Deutschland fand erstmalig hybrid statt, Seminare und Vorstandssitzungen wurden digital durchgeführt. Auch der Tafel-Tag wurde als Online-Spendentag ausgerichtet. Auf dem Weg zu mehr digitalen Abläufen unterstützten Ehrenamtliche, die sich bereits gut auskennen, als „Digital Coaches“ Aktive, die bislang wenig Berührungspunkte damit hatten. In der Pandemie entstand auch der „Tafel-Treff“. In diesem sozialen Netzwerk können sich seitdem Tafel-Aktive aus ganz Deutschland vernetzen, Fragen diskutieren und ihr Wissen und ihren Erfahrungsschatz teilen.

Um dem gestiegenen Aufwand im wachsenden Verband während der andauernden Pandemie gerecht zu werden, musste die Tafel Deutschland schnelle Unterstützung einwerben. Die Tafel Deutschland trat gemeinsam mit den Landesverbänden und Vertreterinnen und Vertretern örtlicher Tafeln mit Stellungnahmen, Lageberichten und Positionspapieren an die Politik auf Bundesund Landesebene heran, um finanzielle Unterstützung für die Tafeln, die Tafel-Landesverbände und die Tafel Deutschland zu fordern.

Mit mehreren großen Förderprogrammen sowie gezielter Beratung setzte die Tafel Deutschland schnelle Soforthilfen für ihre Mitglieds-Tafeln um. Privatpersonen, Unternehmen und Stiftungen sind dem Unterstützungsaufruf des Tafel-Dachverbandes gefolgt und leisteten schnell, unkompliziert und umfangreich Nothilfe. Insgesamt kamen etwa 3,5 Mio. Euro für die Tafeln zusammen, die in Soforthilfemaßnahmen vor Ort flossen.

Die Tafeln erhielten Unterstützung durch Schnelltests, Raumluftreiniger und Masken, um die Ansteckung mit dem Corona-Virus während der Ausgabe zu reduzieren. Mit einer Förderung durch die Aktion Mensch wurden Tafeln bei der Umstellung von der regulären auf eine kontaktarme Lebensmittelausgabe finanziell unterstützt. Der Dachverband beriet die Tafeln und stellte Best-Practice-Beispiele und Handreichungen zur Verfügung. Die Tafel Deutschland konnte im Rahmen des Vorhabens dazu beitragen, die Schließung vieler Ausgabestellen zu vermeiden. Durch das Hochwasser im Juli 2021 gerieten auch einige Tafeln in Not. Tafel Deutschland richtete kurzfristig einen Katastrophenhilfe-Fonds ein und unterstützte die betroffenen Tafeln unbürokratisch.

In der Bruchsaler Tafel gab es kostenlose Crêpes für Ehrenamtliche und Tafel-Gäste. © Simone Staron

Tafel Deutschland leitete auch Spenden an die Tafeln für lokale Weihnachtsaktionen weiter. Aufgrund der Corona-Bestimmungen konnten viele Weihnachtsfeiern und andere Veranstaltungen kurzfristig nicht stattfinden, stattdessen verteilten Tafeln Geschenke an die Tafel-Gäste und ihre Helferinnen und Helfer, verschenkten Einkaufsgutscheine oder führten kleine Aktionen durch. Die Tafel Aschersleben organisierte beispielsweise einen kleinen „Weihnachtsmarkt to go“ mit Glühwein, Plätzchen und Überraschungen für die Kinder. Die Bruchsaler Tafel mietete einen Crêpes-Wagen und verteilte kostenlose Crêpes.

Der Beitrag ist im Jahresbericht 2021 der Tafel Deutschland erschienen. Im Jahresbericht lesen Sie, wofür Tafel Deutschland Spendengelder verwendet hat und was die Unterstützung bewirkt hat.

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