© Philip Wilson
Wenn eine Lebensmittelspende zu groß für eine einzelne Tafel ist, kommt die Allianz für Lebensmittelrettung ins Spiel. Wie Tafeln über die Allianz vielfältigste Paletten haltbarer Lebensmittel für armutsbetroffene Menschen annehmen, zeigt unser Blick hinter die Kulissen des Zentrallagers der Tafel Bayern.
Ein Laib Emmentaler Käse strahlt Tafel-Helfer Klaus mit großen Augen an, als er sich mit seinem Gabelstapler nähert. Die Aischgründer Tafel ist mit ihrem Sprinter am Zentrallager der Tafel Bayern vorgefahren, fröhliche Cartoon-Lebensmittel zieren das Fahrzeug: Brokkoli, Käse und Zwiebel lächeln Klaus glücklich an, während er stoisch leere Euro-Paletten aus dem Fahrzeug entfernt und es anschließend mit zwei Paletten voller haltbarer Lebensmittel belädt.


Klaus arbeitet als Lagerist im Zentrallager des Landesverbandes Tafel Bayern am Rand von Nürnberg. Er ist Teil eines kleinen, engagierten Teams des Landesverbandes, das große Lebensmittelspenden direkt von herstellenden Unternehmen annimmt. Das sind Mengen, die die Lager- und Verteilmöglichkeiten einer einzelnen Tafel übersteigen würden. Deshalb machen sie einen Zwischenstopp in den Tafel-Regionallagern, wo sie in kleinere Mengen aufgeteilt und an mehrere Tafeln weitergegeben werden – damit möglichst viele armutsbetroffene Menschen etwas davon erhalten.
„Die Waren kommen über zwei Wege zu den Tafeln“, erklärt Alex Brunner, stellvertretender Vorsitzender und Logistik-Beauftragter des Landesverbandes Tafel Bayern. „Zum einen haben sie die Möglichkeit, die Lebensmittel mit eigenen Fahrzeugen am Lager abzuholen. Zum anderen können wir durch die Allianz für Lebensmittelrettung Tafeln direkt beliefern. Eine Spedition holt die Paletten bei uns im Lager ab und liefert sie bis vor die Tafel-Tür.“
Neue Großspenden über die Allianz für Lebensmittelrettung
Die Allianz für Lebensmittelrettung ist eine Initiative von Tafel Deutschland, den Tafel-Landesverbänden und dem Logistikdienstleister DACHSER Food Logistics. Die Beteiligten bündeln ihre individuellen Expertisen, um gezielt mehr Lebensmittel aus der Produktion zu retten und an die Tafel-Kundschaft umzuverteilen.

Die Tafel Bayern ist seit Mai 2025 Teil der Allianz für Lebensmittelrettung und wir haben seitdem einen deutlichen Zuwachs an Lebensmittelspenden verzeichnet.
Alex Brunner, stellv. Vorsitzender und Logistik-Beauftragter des Landesverbandes Tafel Bayern
Als Teil der Allianz für Lebensmittelrettung engagieren sich erstmals ehrenamtliche Akquise-Beauftragte bei den Tafel-Landesverbänden. Sie nehmen Kontakt mit Herstellern auf, die ihre überschüssige Ware bisher nicht an die Tafeln spenden. Dabei nutzen sie das Netzwerk und die Kontakte von DACHSER Food Logistics.
Mit Erfolg, wie Alex Brunner berichtet: „Unsere Tafeln haben uns das Feedback gegeben, dass sie sehr zufrieden sind, wie sich die Logistik im Landesverband seit der Teilnahme an der Allianz für Lebensmittelrettung entwickelt hat.“
Nicht nur mehr, sondern auch vielfältigere Lebensmittel kommen seitdem bei ihnen an: „Wir haben neue Spenden akquirieren können, beispielsweise Fertiggerichte wie Nudelgerichte und asiatische Suppen, aber auch Tee, Süßigkeiten und Wurstwaren. Ganz stark in Bayern sind Hersteller für Molkereiprodukte vertreten, auch hier haben wir mittlerweile eine größere Vielfalt.“
Über den lokalen Einzelhandel erhalten Tafeln selten länger haltbare Lebensmittel. Frische Waren wie Obst, Gemüse und Backwaren werden hier am meisten gespendet. Die haltbaren Lebensmittel der Hersteller sind daher eine willkommene Ergänzung für das Sortiment der Tafeln.


Dezember 2025: Volle Regale im Tafel-Lager – auch dank der Allianz für Lebensmittelrettung. © Tafel Deutschland
Tafel statt Tonne
In den fast deckenhohen Regalen lagert der Landesverband bei unserem Besuch im Dezember 2025 gerade zahlreiche Paletten mit Getränken und haltbaren Lebensmitteln. Saftschorlen und laktosefreie Milch stehen hier professionell eingepackt neben Gurkenkonserven in Gastro-Größe und Grillkäse in handelsüblichen Packungen.
An diesem kühlen Morgen fahren nach und nach Transporter verschiedener bayerischer Tafeln vor, die ersten kommen bereits im Morgengrauen. Für eine Tasse Kaffee und ein paar freundliche Worte haben die meisten Zeit, dann öffnen sie die Fahrzeugtüren für Klaus und seinen Gabelstapler und nehmen die vorbereiteten Waren für ihre Kundschaft in Empfang.
Zwischendurch kommt ein Fahrer von DACHSER Food Logistics an und holt eine Palette Getränke für die Tafel Bayreuth sowie eine Palette Getränke und eine Mischpalette Lebensmittel für die Tafel Pfaffenhofen ab.

Der Landesverband packt für die Tafeln Mischpaletten, auf die das Team verschiedene Produkte stapelt. So erhalten die Tafeln eine größere Warenvielfalt in Mengen, die sie in ihrer Ausgabe zuverlässig verteilen können. Kleinere Tafeln bestellen eine Palette, größere Tafeln auch mal mehr. Mit vollem Laderaum fahren sie zurück zu ihren Ausgabestellen, während Klaus die bestellten Paletten für die nächsten Tafeln am Eingang bereitstellt.
Rente zwischen Motorrad und Tafel-Lager
Klaus wird dieses Jahr 70. Wenn gerade keine Tafel vorfährt und es im Lager nichts zu sortieren gibt, zückt er sein Handy und zeigt uns Fotos von seinen Motorradausflügen und den Dienstreisen, die er in seinem bewegten Berufsleben unternommen hat. Auch Bilder von sich in bayerischer Tracht hat er gespeichert – die trägt er bei Presseterminen für die Tafel Bayern mit Stolz.
Stillsitzen ist auch im Alter nichts für ihn. „Meine Frau ist 2025 in Rente gegangen, da habe ich mir was gesucht, damit wir nicht die ganze Zeit aufeinander hocken“, erzählt Klaus. Auf die Ausschreibung des Tafel-Landesverbandes für einen Minijob ist der Rentner aus Fürth in der Zeitung gestoßen: „Jetzt bin ich hier vormittags drei Tage die Woche für ein paar Stunden und kann etwas bewegen.“

Logistik über Ländergrenzen hinaus

Der Landesverband Bayern war nach dem Start 2025 der dritte Tafel-Landesverband nach Hessen und Rheinland-Pfalz / Saarland, der sich der Allianz für Lebensmittelrettung angeschlossen hat. Weitere Landesverbände wurden bereits oder werden demnächst aufgenommen.
Das Ziel der Allianz ist nicht nur, mehr Waren bei Lebensmittelherstellern zu retten, sondern sie auch überregional solidarisch zu verteilen. Denn in den einzelnen Bundesländern schwankt die Zahl der Hersteller deutlich. Ziel ist es, dass die 13 Tafel-Landesverbände auch untereinander Waren tauschen.
Im Vorraum des Nürnberger Lagers warten deshalb bereits einige Paletten Getränke darauf, nach Dresden transportiert und auf die sächsischen Tafeln aufgeteilt zu werden.

