5 Dinge, die uns als Lebensmittelretter:innen sauer machen

Lebensmittelretter:innen bei den Tafeln sortieren Gemüse.

Foto: Reiner Pfisterer

…und was wir dagegen tun können!

1. Wenn Spender:innen die Tafeln mit der Müllabfuhr verwechseln

Bei den vielen frischen Lebensmitteln lässt es sich nicht vermeiden, dass Tafeln manches aussortieren müssen. Auch bei den meisten Spendenunternehmen herrscht viel Betrieb und sie haben wenig Zeit, Spenden zusammenzustellen. Aber große Mengen offensichtlich verdorbener Waren gehören nicht in unsere Spendenkisten.

Tafeln sortieren alle Spenden vor der Ausgabe. Einige Fahrer:innen und Beifahrer:innen schaffen einen ersten Kontrollblick direkt beim Abholen, die meisten Tafeln können die Waren aber erst in ihren Ausgaberäumen prüfen. Für ehrenamtliche, spendenfinanzierte Organisationen wie die Tafeln bedeutet das viel zeitlichen Aufwand und hohe Entsorgungskosten, wenn sie viele Lebensmittel aussortieren müssen.

Ein Tafel-Fahrer sortiert Lebensmittel an der Laderampe eines Spenderunternehmens und entsorgt verdorbenes Obst und Gemüse. Fotos: Philip Wilson

2. Wenn jemand Lebensmittel mit überschrittenem MHD ohne Kontrolle wegschmeißt

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) wird oft falsch verstanden und sorgt deshalb für unnötige Lebensmittelverschwendung. Laut einer Befragung des Nürnberg Instituts für Marktentscheidungen wirft fast die Hälfte der Menschen in Deutschland Lebensmittel mindestens einmal im Monat weg, weil das MHD überschritten ist.

Aber: Ein Produkt verdirbt nicht Punkt Mitternacht, wenn das MHD erreicht ist. Viele Lebensmittel können noch Tage oder gar Monate darüber hinaus bedenkenlos verzehrt werden. Das MHD gibt lediglich den Zeitpunkt an, bis zu dem ein Lebensmittel bei korrekter Lagerung seine typischen Eigenschaften wie Geruch, Farbe und Geschmack behält.

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Mehr Informationen

Mit einer Aufklärungskampagne setzen wir uns für einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem MHD ein. Du entdeckst in deinem Vorratsschrank ein Lebensmittel mit überschrittenem MHD? Mach die Sinnesprobe: Anschauen, Riechen, Schmecken! So stellst du fest, ob ein Lebensmittel noch genießbar ist.

Aushang der Tafel Wanzleben, Foto: Tafel Deutschland

Tafeln dürfen MHD-Ware verteilen. Sie müssen ihre Kundschaft jedoch darauf aufmerksam machen, beispielsweise durch eine separate Ablage und einen Aushang.

Eine Ausnahme bildet das Verbrauchsdatum bei leicht verderblichen Lebensmitteln wie Fleisch, Sushi oder Fertigsalate. Das gilt verbindlich für Tafeln und Verbraucher:innen.

3. Wenn Handel und Hersteller sich nicht trauen, Waren zu spenden, weil die gesetzlichen Vorgaben zu ungenau formuliert sind

Viele Lebensmittel wären ohne Probleme genießbar, doch der Spendenprozess hält viele Hürden für Spender und Empfänger bereit. Wer haftet beispielsweise, wenn ein gespendetes Lebensmittel Gesundheitsschäden verursacht? Solche Unklarheiten verhindern immer wieder, dass Händler und Hersteller Waren weitergeben.

Dazu kommt die unnötige finanzielle Belastung: Bei Kaffee muss ein Unternehmen beispielsweise die Kaffeesteuer nur zahlen, wenn es das Produkt spendet – aber nicht, wenn es den Kaffee entsorgt.

Deswegen setzt sich Tafel Deutschland seit Jahren für ein Lebensmittelrettungsgesetz ein: Wir fordern, dass das Spenden rechtssicher gestaltet, vereinfacht und steuerlich begünstigt wird.

Lebensmittelretter:innen für die Lebensmittelproduktion: Tafeln nehmen auch größere Mengen Waren an, die bei Herstellern übrigbleiben und verteilen sie an die Tafel-Kundschaft. Fotos: Oliver Vaccaro

4. Wenn Obst und Gemüse verschwendet werden, weil sie nicht perfekt aussehen

Orangen mit Schalenfehlern, krumme Möhren und kleine Kartoffeln erfüllen die Erwartungen vieler Konsument:innen nicht. Dabei sind sie genauso lecker und gesund wie normschönes Obst und Gemüse!

Foto: Sylwester Pawliczek

5. Wenn jemand bei Verschwendung nur an den Einzelhandel denkt, aber nicht an die schimmelnden Möhren im eigenen Kühlschrank

Der Handel verursacht 7 Prozent der rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittel, die in Deutschland jedes Jahr verschwendet werden. Privathaushalte aber über die Hälfte der Lebensmittelverschwendung.

Die gute Nachricht: Wir alle können zuhause Lebensmittelretter:innen werden! Gehe bewusst mit dem MHD um, verbrauche Lebensmittel zuerst, die nicht mehr ganz frisch sind, und fotografiere vor dem Einkauf den Inhalt deines Kühlschranks, damit du nichts unnötig doppelt kaufst.

Weitere Tipps gibt dir unser Blogbeitrag „11 Tipps für weniger Lebensmittelverschwendung zuhause“.

Foto: Reiner Pfisterer

Was gegen Sauer-sein hilft: als Lebensmittelretter:innen anpacken!

Schließe dich den Tafeln als Lebensmittelretter:in an und verteile mit uns Lebensmittel an Menschen mit wenig Geld! Die Kontaktdaten zur Tafel in deiner Nähe findest du über unsere Tafel-Suche: www.tafel.de/tafel-suche.

Foto: Reiner Pfisterer
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