Tafel-Tag 2026: Tafeln teilen, um zusammenzuhalten
Illustration: Grafikladen
In polarisierenden Zeiten wissen wir die Kraft der Solidarität besonders zu schätzen. Deswegen stand der Tafel-Tag 2026 unter dem Motto „Teilen, um zusammenzuhalten“. Er machte auf das großartige Engagement der 77.000 Tafel-Aktiven aufmerksam und trat für ein demokratisches, vielfältiges Miteinander ein.
Tafeln teilen Lebensmittel, Zeit und Gemeinschaft mit armutsbetroffenen Menschen. Darauf haben Tafeln und ihre Unterstützer:innen zum Tafel-Tag 2026 am 15. September aufmerksam gemacht. Symbol des bundesweiten Aktionstages: ein kleines orangefarbenes Bändchen mit der Aufschrift „Teilen, um zusammenzuhalten“. Wie hier das Team der Tafel Schrobenhausen haben viele Tafel-Aktive die Bändchen als Symbol des Zusammenhalts bei der Tafel-Arbeit getragen.
Fotos: Tafel Schrobenhausen
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Zusammenhalt ist bei den über 980 Tafeln gelebte Realität. Sie unterstützen 1,5 Millionen armutsbetroffene Menschen mit geretteten Lebensmitteln. Längst sind sie zudem Orte der Begegnung geworden: Durch nette Gespräche bei der Lebensmittelausgabe, aber auch durch immer mehr Freizeitangebote und Projekte für die Tafel-Kundschaft bringen sie die unterschiedlichsten Menschen zusammen.
Ein persönliches Gespräch zeigt oft, dass an den eigenen Vorurteilen nicht viel dran ist. Das Engagement der Tafel-Aktiven ist ein unmissverständliches Bekenntnis zu Mitmenschlichkeit und gegenseitiger Unterstützung. Deswegen ist die alltägliche Nachbarschaftshilfe, so wie sie Tafeln leben, ein wichtiger Baustein für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Das bekräftigte auch unser Vorsitzender Andreas Steppuhn im Interview mit dem MDR: „Wir als Tafeln stehen für Vielfalt, Solidarität und Demokratie. Wir behandeln alle Menschen gleich, die zu uns kommen.“
Quelle: MDR
Fußballfreund:innen, Aktionsbrote und Sammelaktionen
Aktionsbrote für die Tafel Coswig. Foto: Johanniter
Viele Tafeln und ihrer Unterstützer:innen haben den Tafel-Tag 2026 für lokale Aktionen genutzt. So spendete beispielsweise ein Bäcker je einen Euro an die Tafel Coswig aus dem Verkauf von 500 Aktionsbroten. Viele Tafeln haben an Infoständen und vor Supermärkten haltbare Lebensmittel gesammelt, etwa die Hanauer Tafel. Mit der Aktion „Ein Teil mehr“ sammelte sie Sachspenden.
Leckere Erbsensuppe verteilte die Tafel Heide bei einem Tag der offenen Tür, an dem sie neben dem Tafel-Tag auch ihr 33-jähriges Bestehen feierte. Außerdem servierte das engagierte Team Informationen, wie sich Interessierte ehrenamtlich engagieren können.
Das Kreisdiakonische Werk Greifswald, Träger der Tafel Demmin, hat die Stiftung Hansa Rostock besucht, die die Tafeln in Mecklenburg-Vorpommern seit vielen Jahren unterstützt. Mit Tafel-Tag-Bändchen am Handgelenk posierten Tafel-Aktive und Stiftungs-Mitarbeiter:innen gemeinsam im Stadion.
Fotos: Kreisdiakonisches Werk Greifswald e.V.
Freiwilliges Engagement hält unsere Gesellschaft zusammen. Gerade jetzt müssen wir weitermachen, mehr Zusammenhalt schaffen und für unsere Werte eintreten. Gleichzeitig appellieren wir an die Bundesregierung, mit Reformen soziale Sicherheit zu stärken.
– Andreas Steppuhn, Vorsitzender Tafel Deutschland
Was wünschen sich Tafel-Kund:innen von Politik und Gesellschaft zum Tafel-Tag 2026?
„Auch mal an uns denken“ – an Menschen, die wenig Geld haben. Das wünscht sich eine Tafel-Kundin, die anonym bleiben möchte, von der Politik. An die Gesellschaft richtet sie ebenfalls einen Wunsch: mehr Respekt füreinander. Trotz chronischer Krankheit arbeitet die 62-Jährige noch geringfügig und holt regelmäßig Lebensmittel ab: „Ohne Hilfe von der Tafel würde mein Leben sehr, sehr schlecht ausfallen.“
Foto: Tafel Schrobenhausen
Unserem Aufruf an Tafel-Kund:innen, uns eine Sprachnachricht zu schicken, ist auch Uwe gefolgt. Er erhält Unterstützung bei der Tafel Buttstädt. „Von der Politik und Gesellschaft wünsche ich mir bisschen mehr Wertschätzung für die geleistete Arbeit der Tafeln“, sagt Uwe. „Ich weiß, in so einem reichen Staat sollte man eigentlich keine Tafeln benötigen, aber die Tafel setzt sich ein für die Unterstützung von armutsbetroffenen Menschen und die Rettung von Lebensmitteln.“
Die 69-jährige Ariane, Kundin der Tafel Köln, berichtet, wie Armut sie im Alltag einschränkt: „Ich habe eine kleine Rente wegen Krankheit in jungen Jahren und gucke eben sehr genau, wie ich mein Geld ausgebe. Und worauf ich verzichte, ist leider auf Reisen.“
Solidarität im Alltag erlebe ich hier bei der Tafel in Buttstädt. Es ist immer ein sehr freundliches Miteinander und die Mitarbeiter:innen sind immer sehr zuvorkommend gegenüber den Abholern.
– Uwe, Tafel-Kunde
Armutsbetroffene Menschen werden im Diskurs viel zu selten gehört. Wir danken den dreien deshalb, dass sie uns einen kleinen Einblick in ihren Alltag gegeben haben.
Hier hörst du ihre Sprachnachrichten im Original:
Uwe
Aufklappen, um das Transkript zu lesen:
„Mein Name ist Uwe und ich bin bei der Tafel Buttstädt. Ich kann mich nur dazu äußern, wie ich zum Beispiel auch Solidarität im Alltag erlebe, und zwar auch hier bei der Tafel in Buttstädt. Es ist immer ein sehr freundliches Miteinander und, ja, die Mitarbeiter sind immer sehr zuvorkommend gegenüber den Abholern. Von der Politik und Gesellschaft wünsche ich mir bisschen mehr Wertschätzung für die geleistete Arbeit der Tafeln. Ich weiß, in so einem reichen Staat sollte man eigentlich keine Tafeln benötigen, aber die Tafel setzt sich ja dafür ein für die Unterstützung von Bedürftigen und auch für die Rettung von Lebensmitteln und deswegen sind sie auch nötig. Vielen Dank!“
Ariane
Aufklappen, um das Transkript zu lesen:
„Ariane hier. Ich bin 69 Jahre alt und gehe zur Tafel in Köln-Riehl, Flämingstraße. Ja, was soll ich sagen, wie schränkt mich Armut in meinem Leben ein? Ich habe eine kleine Rente wegen Krankheit in jungen Jahren und gucke eben sehr genau, wie ich mein Geld ausgebe. Und worauf ich verzichte, ist leider auf Reisen. Im Alltag erlebe ich Solidarität in meiner Wohnanlage SWK. Und ich selber zeige Solidarität mit anderen, indem ich nachhaltig lebe und das weitergebe, was ich selber nicht brauche. Vielen Dank. Tschüss.“
Anonyme Kundin
Aufklappen, um das Transkript zu lesen:
„Ich bin 62 Jahre alt, bin chronisch krank und gehe noch geringfügig arbeiten. Und ohne Hilfe von der Tafel würde mein Leben sehr, sehr schlecht ausfallen. Ich freue mich über jedes kleinste Teil, was ich bekommen kann. Ich wünsche mir von der Gesellschaft mehr Respekt gegeneinander und von der Politik würde ich mir freuen, [wenn] die nicht nur denen, die schon Tausende oder Milliarden auf dem Konto haben, zugute [kommt], sondern auch für diejenigen [da sind], die ganz unten an der Gesellschaft stehen. Auch mal an uns denken.“
Du möchtest unser Engagement auch nach dem Tafel-Tag 2026 unterstützen?
Beginne ein Ehrenamt bei der Tafel in deiner Nähe:
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